Ikigai als Tool zur Mitarbeitermotivation

Beim Ikigai geht es nicht darum, sein ganzes Leben radikal zu verändern oder den einen großen Lebenssinn zu finden. Es ist auch keine abgehobene Guru-Methode und es führt nicht dazu, dass alle kündigen, sobald sie sich damit beschäftigen.

Ikigai ist wesentlich pragmatischer: Es hilft zu erkennen, welche kleinen Veränderungen im Alltag oder im Job sofort spürbare Wirkung haben. Es geht nicht um “alles oder nichts”, sondern um ein bisschen mehr Sinn und innere Ausrichtung, genau dort, wo man gerade steht. Und gerade deshalb eignet sich Ikigai sowohl für die persönliche Reflexion als auch für Führung und Mitarbeiterentwicklung.

Was bedeutet Ikigai?

Ikigai heißt: „Das, wofür es sich zu leben lohnt.“

In seiner ursprünglichen Bedeutung beschreibt das Konzept einen ganzheitlichen Ansatz für ein erfülltes, gesundes Leben – geprägt von ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, erholsamem Schlaf, sozialer Verbundenheit, kleinen Ritualen, Natur, Achtsamkeit und innerer Balance.

Ikigai im Business- und Coaching-Kontext

Im beruflichen Alltag und im Coaching nutzen wir Ikigai meist in einer reduzierten, aber sehr wirkungsvollen Form. Statt den gesamten Lebensstil abzubilden, konzentriert sich das Modell hier auf vier zentrale Leitfragen, die zusammen eine Art inneren Kompass bilden. Jede Frage beleuchtet eine eigene Ebene der Motivation und erst ihre Kombination schafft Klarheit darüber, was uns antreibt, stärkt und erfüllt.


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1) Was liebe ich? – Leidenschaft & Freude

Diese Frage richtet den Blick auf alles, was Energie gibt, inspiriert und echte Begeisterung auslöst. Hier geht es um Tätigkeiten, in denen wir aufgehen, die uns erfüllen und bei denen die Zeit wie im Flug vergeht. Leidenschaft ist kein „Nice-to-have“, sondern eine wichtige Ressource: Sie stabilisiert, motiviert und trägt uns durch herausfordernde Phasen.

Leitfragen:

  • Welche Tätigkeiten machen mir wirklich Freude?
  • Was kann ich stundenlang tun ohne müde zu werden?
  • Wobei verliere ich das Zeitgefühl?
  • Welche Leidenschaft habe ich seit vielen Jahren?

2) Worin bin ich gut? – Stärken & natürliche Begabungen

Viele Menschen unterschätzen ihre Stärken, weil ihnen das, was sie gut können, selbstverständlich erscheint. Diese Dimension hilft, Talente, Kompetenzen und persönliche Fähigkeiten klarer zu sehen, auch jene, die wir intuitiv beherrschen.

Leitfragen:

  • Welche Aufgaben gelingen mir besonders leicht?
  • Wofür bekomme ich regelmäßig positives Feedback?
  • In welchen Momenten denke ich: „Das kann ich einfach“?
  • Welche Fähigkeiten habe ich schnell gelernt oder intuitiv verstanden?
  • Welche Eigenschaften bewundern andere an mir?

Tipp: Das Fremdbild ist oft wertvoller als das Eigenbild – fragt gerne Kolleginnen oder Freundinnen nach ihren Beobachtungen.

3) Wofür werde ich bezahlt? – Beruflichkeit & Wertschöpfung

Hier beginnt der Realitätscheck, aber ein konstruktiver. Es geht nicht nur um Geld, sondern darum, welche Tätigkeiten und Fähigkeiten im beruflichen Kontext tatsächlich Wert schaffen.

Diese Frage hilft, die Verbindung zwischen persönlichen Fähigkeiten und beruflichem Umfeld klarer zu sehen.

Leitfragen:

  • Womit verdiene ich aktuell mein Geld – und warum gerade damit?
  • Welche meiner Fähigkeiten sind für Arbeitgeber oder Kund*innen besonders wertvoll?
  • Welche Einnahmequellen habe ich noch?

4) Was braucht die Welt / mein Umfeld? – Werte, Sinn & Beitrag

Diese Dimension rückt das größere Bild in den Mittelpunkt: Was möchte ich mit meinem Tun bewirken? Welche Werte sind mir wichtig? Wozu möchte ich beitragen: für mein Team, mein Unternehmen oder die Gesellschaft?

Das muss nichts Weltbewegendes sein. Manchmal ist es schlicht der Wunsch, Menschen zu unterstützen, Strukturen zu verbessern oder mehr Qualität in einen Prozess zu bringen.

Leitfragen:

  • Welche Werte möchte ich im Arbeitsalltag leben?
  • Welche Probleme möchte ich lösen helfen?
  • Was soll durch meine Arbeit besser werden?
  • Was möchte ich in der Welt verändern?
  • Was will ich bewirken oder hinterlassen?

Diese Dimension verbindet das persönliche „Warum“ mit Wirkung und Verantwortung.

Ikigai im Führungskontext

Ikigai ist ein wunderbares Werkzeug für Führungskräfte, weil es Gespräche über Motivation auf eine neue Ebene hebt. Wer sein eigenes Ikigai kennt, führt klarer und authentischer. Wer das Ikigai anderer versteht, kann gezielt motivieren und binden.

Gerade in Mitarbeitergesprächen funktioniert Ikigai hervorragend, zum Beispiel über Fragen wie:

  • Was gibt dir in deiner Arbeit Energie?
  • Worin fühlst du dich besonders kompetent?
  • Welche Aufgaben tragen für dich spürbar Sinn?
  • Was möchtest du in deinem Team oder für dein Unternehmen bewirken?
  • Wie kannst du deine Stärken gezielt im Team einsetzen?

Solche Gespräche schaffen Vertrauen, entwickeln Potenziale und stärken das Miteinander.

Fazit

Ikigai ist kein fernöstlicher Mythos, sondern ein sehr praktisches Reflexionsmodell. Es hilft, Klarheit zu gewinnen, Prioritäten zu setzen und bewusster zu leben – im Job genauso wie im Privaten.

Nicht durch große Sprünge, sondern durch kleine, gezielte Stellschrauben.

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